Der Kölner Maler Wilhelm Neußer hat sich in seinen Werken, die sich in die Tradition figurativer Malerei einreihen lassen, eine prägnante, sich aus dem uns umgebenden Alltag entlehnende Bildsprache angeeignet, einer feinen Illusionsmalerei. Traumhaft, albtraumhafte Ölgemälde mit den Zeichen einer deutschen Heimeligkeit, wie gepflasterte Terrassen und aufgespannte Sonnenschirme, treffen auf unverbaute Sandsteine, rot-weiß gestreifte und verdrehte Absperrbänder, Pappreste und andere reine Materialien, die auf Konstruktion und Unfertigkeit verweisen. Seine Werke geben den Blick frei auf das was auf den flachen, schwebenden, unendlich fortsetzbaren Ebenen gebaut ist, als auch auf das, was darunter liegt: eine auf dem Kopf stehende Kehrseite des anderen. Von unten betrachtete Häuser, Bauruinen und Treppen, führen ins Nichts und durchbrechen autonom die Gesetze der Perspektive; der Betrachter blickt in die Malerei einer Modellbau-Landschaft: Wilhelm Neußer studierte bei einem Bildhauer.

Obwohl alles, was Neußer darstellt, Spuren des menschlichen Gebrauchs trägt, sind die Szenarien menschenleer, unbevölkerbar und absurd in ihrer Nutzlosigkeit. Vielfältige Aspekte des Lebensgefühls unserer Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts erschließen sich dem Betrachter jedoch erst nach und nach beim langsamen Dechiffrieren des Dargestellten. Eine vermeintlich heile Welt  trifft auf fragile, unvollendete Konstruktionen. zur Vita