MalereiEinladung

Oft überzieht ein pastellig nebulöser Farbfilm seine grotesken Figurationen mit einem unliebsamen Schleier. Obgleich dieser den Betrachter gewissermaßen auf Distanz vor den fast unkenntlichen Fratzen hält, wird man von einem Gefühl von existenzieller Ungewissheit vereinnahmt. Auslösendes Moment hierfür sind nicht nur die Deformation des Gesichts und die expressive Ausarbeitung durch Kratzspuren, sondern auch die Wahrung des Blicks: In fast allen Porträts ist eben die Augenpartie, nicht nur als sprichwörtlicher Spiegel zur Seele, sondern vor allem als vermittelndes Element zum Betrachter scharf ausgearbeitet und deutlich erkennbar.

Warzechas Ölbilder entstehen in langwierigen malerischen Prozessen und Überarbeitungen, gewissermaßen als ein Aufbauen und ein Ringen um den Grad des Verschwindens. In einem wechselseitigen Prozess von Farbauftrag, Auswaschung, Verwischung und grattage-ähnlichen Kratzverfahren verfestigt er seine imaginativen Bildnisse, die auch in der Erinnerung des Ausstellungsbesuchers einen bleibenden Eindruck hinterlassen werden. Sebastian Arnold

 

Text Ausstellung im Kunstverein Heppenheim (Auszug)

Sein Interesse in seinen Gemälden gilt der Darstellung der psychischen, vielschichtigen Ebenen des Menschen. So nutzt er oftmals die Porträtdarstellung, um die Innerlichkeiten und Tiefen der menschlichen Seele darzustellen. In einer klassischen Porträtdarstellung oder der Fotografie lässt sich vordergründig das Äußere einer Person ablesen. Doch Gregor Warzecha kehrt diese gewohnte Sichtweise um. Er stellt die Frage nach der Besonderheit, die den einen Menschen von dem anderen unterscheidet, die nicht in unseren Äußerlichkeiten anhaftet, sondern in den Tiefen unseres Wesens liegt.

Um dies zu verdeutlichen bedient sich Gregor Warzecha sowohl der figurativen als auch der abstrakten Malerei. In einem lange währenden Schaffensprozess, welcher nach einem unbefangenen Impuls beginnt, legt er Dutzende von übermalten Schichten übereinander, aus welchen dann wiederum Teile erhalten werden. Dabei bedient er sich mehrerer Techniken wie der Öl-, Acryl- oder Aquarellmalerei. So entsteht im Endergebnis ein Zusammenspiel von scheinbarem Chaos und Ordnung. Vor allem in seinen größeren Formaten manifestiert sich diese Vielschichtigkeit des Individuums noch deutlicher.

Auf den ersten Blick erscheinen diese wie ein abstraktes Chaos, doch bei näherer Betrachtung lassen sich figurative Elemente erkennen. Oftmals stellen diese sogar durch ihre strukturierte Anordnung einen rationalen Gegenpol dar.

Gregor Warzecha versucht in seiner Arbeit Unsichtbares und Unbestimmbares für den Betrachter zu verdeutlichen. Unser Eindruck wird aber ebenso von uns selbst, unseren Erfahrungen und unserem momentanen Geisteszustand manipuliert. So fängt Gregor Warzecha in seinen Bildern auf suggestive Art und Weise diese Vermischung von Wirklichkeit, Imagination und subjektivem Empfinden ein.