Wachstum/ Verfall  Sicherheit/ Angst  Stabilität/ Bruch

 

Gegensätze dieser Art charakterisieren die Arbeit von Wilhelm Neusser und spiegeln dabei eine typisch deutsche Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Ordnung wider. In seinen Darstellungen bedient er sich eines ästhetischen Vokabulars, das in verunsichernder Weise zwischen Architektur, Stillleben und einer (Modellbau-) Landschaft changiert. Wilhelm Neußer studierte u.a. bei dem Bildhauer Harald Klingelhöller. Erkennen und Verstehen sind in seinen Bildern nicht kongruent. Die Szenen berühren vielmehr einen wunden Punkt des Unterbewussten und lassen uns mit einem Gefühl des Unbehagens zurück. Die eigenwillig gebrochene Farbigkeit und allgegenwärtige Präsenz des malerischen Prozesses kennzeichnen sein Werk. Den in seinen Gemälden geschaffenen Raum versteht der Künstler im metaphorischen Sinne als eine Bühne, auf der er seine Gedankenspiele verbildlichen und ausformulieren kann. Sprache und Wortspiel liefern ihm wichtige Impulse. Mag das Ergebnis auch repräsentativ anmuten, so ist der Weg dahin doch ein abstrakter Denkprozess. Obwohl alles, was Neußer darstellt, Spuren des menschlichen Gebrauchs tragen, sind die Szenarien menschenleer, unbevölkerbar und absurd in ihrer Nutzlosigkeit. Vielfältige Aspekte des Lebensgefühls unserer Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts erschließen sich dem Betrachter und der Betrachterin jedoch erst nach und nach beim langsamen Dechiffrieren des Dargestellten, das nur auf den ersten Blick Übereinstimmungen mit der sichtbaren Realität aufweist. Eine vermeintlich heile Welt gegen das Material das auf Konstruktion und Unfertigkeit verweist. zur Vita