WILHELM LOTH (1920 - 1993)

 

KUNSTSTOFF

Eröffnung 8. März 2020 von 11 – 13 Uhr

Einführung Dr. Ursula Merkel zur Rede

Ausstellungsansichten auf You Tube

 

Die Galerie ist temporär geschlossen mit einer Ausstellungsdauer bis Mai 2020. Rufen Sie uns an oder schreiben eine Mail. Wir sind jederzeit und gerne für Sie erreichbar! Bleiben Sie und Ihre Nächsten gesund!

 

 

In kuratorischer Absprache mit dem Nachlassverwalter Alexander Heil, wird in der Ausstellung KUNSTSTOFF erstmals seit 40 Jahren ausschließlich das farbbetonte Werk von Loth gezeigt, die zwischen 1967 und 1979 entstandenen Kunststoffplastiken. Zum großen Teil sind dies der Öffentlichkeit unbekannte, auch experimentelle Arbeiten eines Künstlers, der sich ein Leben lang damit beschäftigte, das Menschenbild seiner Zeit zu erfassen. Dabei blieb Loth auch in den Polyesterskulpturen beharrlich seinem Thema, der Darstellung des Weiblichen im Spannungsfeld von Körperlichkeit und gesellschaftlicher Prägung treu. Er besetzte damit eine zukunftsweisende Position, zumal traditionalistische und konservative Strömungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch stark in Erscheinung traten, geschweige denn aufgegeben wurden. Indem er sich dem Kunststoff mit all seinen neuen Möglichkeiten von Farb- und Lichteffekten zuwandte, stellte Loth auch künstlerisch-formal neue Sichtweisen in der Plastik zur Diskussion. In der Folge initiierte er an der Karlsruher Akademie in den frühen 60er Jahren mit seiner Klasse die vermutlich erste Kunststoffwerkstatt. Wilhelm Loth wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden.

 

Wilhelm Loth war einer der bedeutendsten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In Darmstadt geboren lernt er im frühen Alter das grafische Werk und die Person Käthe Kollwitz kennen, die ihn ermutigt, Bildhauer zu werden. Ein reger Schriftwechsel zwischen den beiden schließt sich von 1938-1944 an. Von 1958-1986 war Wilhelm Loth Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo er als Mitbegründer der Neuen Karlsruher Figuration namhafte Künstler wie den vor kurzem verstorbenen Franz Bernhard, Bussi Buhs, Jürgen Goertz, Robert Schad und Elisabeth Wagner unterrichtete. Seine Plastiken sind in allen bedeutenden deutschen und in zahlreichen internationalen Museen und Sammlungen vertreten.

Zeigen die frühen Werke noch ganze Figuren, so konzentrierten sich Loths Plastiken bald auf Figurenteile, Köpfe, Rümpfe, Büsten, Lippen-, Busen-, Schoßobjekte. Seit den frühen 60er Jahren erschienen die Arbeiten symmetrisch gegliedert, wobei er sich sowohl auf Architektur als auch auf Malerei bezog. Die malerische Komponente spielte keine geringe Rolle, wenn man die Oberfläche der Plastiken betrachtet, deren Strukturen sich häufig in seinen Zeichnungen, die meist vor dem lebenden Modell entstanden sind, und Radierungen wiederfinden. Stets bleibt Loths Plastik an das Menschenbild als Ausgangspunkt gebunden, insbesondere an den zunehmend stilisierten weiblichen Akt. Sein Thema war aber nicht primär das Abbild der Frau, sondern die Plastik als künstlerisches Medium. Bei der Auswahl des weiblichen Körpers als Motiv freilich suchte er das Menschliche in Freiheit, Schönheit aber auch Verletzlichkeit zu zeigen.